[German] Investition während der Krise: Warum Finanzwissen gerade dann besonders wichtig ist!

Anlässlich meiner Teilnahme am comdirect Finanzblog Award 2020 und gegebenem Anlass schreibe ich diesen Artikel …

Das obige Thema gibt mir eine hervorragende Gelegenheit mein eigenes Handeln während der Krise kritisch zu hinterfragen und zu überdenken. Eine genauere Betrachtung erscheint mit Sicherheit in meinem Jahresrückblick.

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Die Korona Krise liegt noch nicht hinter uns (und unserer Wirtschaft), jedoch könnte man schnell einen anderen Eindruck gewinnen und beim Blick auf die Börsenkurse fragen: Krise, welche Krise? Wenn man sich die Chartverläufe wichtiger Börsenindizes anschaut, scheint eine etwaige (Wirschafts-) Krise jedenfalls abgehakt und überwunden zu sein. Für viele Marktbeobachter und Marktteilnehmer (sprich Investoren oder Spekulanten) macht dies keinen Sinn. Zumindest auf den ersten Blick lässt der folgende Chart eine Fragezeichen zurück.

Es wird zwar immer vom ‘Markt’ geredet, aber manchmal benötigt es …

Einen zweiter Blick

Es gibt aber durchaus einige Theorien und Erklärungsansätze die den starken Kursaufschwung ‘der Märkte’ zu einem guten Teil erklären können. Nachfolgend also einige Hintergründe und Theorien.

Den Markt gibt es in dem Sinne nicht. Meist wird damit implizit ein relativ breiter Index gemeint wie der S&P 500 in den USA. Dieser umfasst die 500 Börsenunternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung* in den USA. Wenn wir mal beim S&P bleiben, könnte man sich ja schon fragen warum dieser neue Jahreshöchststände erklommen hat wenn die breite Wirtschaft noch lange nicht wieder brummt wie in Vor-Korona-Zeiten (die neue Zeitrechnung spricht ja nun mal von Vor- und Nach-Korona). Nun ja, es ist eben nicht “der Aktienmarkt” sondern …

Es ist ein Markt für Aktien. Für viele Aktien! Und diese entwickeln sich natürlich fundamental sehr unterschiedlich. Die treibende Kraft für die starke Performance des S&P 500 (und anderer US Börsenindizes) sind nämlich die hoch bewerteten Technologie-Konzerne. Deren Geschäftsaussichten haben sich durch die Pandemie unterm Strich deutlich verbessert (zumindest aus sich der Mehrzahl der Anleger) oder waren zumindest unterdurchschnittlich betroffen. Auch weitere Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung haben den Index getrieben. Investoren gehen mehrheitlich davon aus, dass diese Großkonzern bessere Chancen haben die Krise zu überleben und ggf. sogar als Gewinner aus der Krise zu gehen. Falls kleinere Konkurrenten die Krise nicht überleben wird der Wettbewerb weniger intensiv und es besteht die Möglichkeit zukünftig höhere Margen (Gewinne) zu erzielen.

It’s a market of stocks, not a stock market.

*) Die Marktkapitalisierung erhält man aus der Multiplikation Aktienanzahl x Aktienkurs. Nach dieser Regel müsste Tesla bereits im Index aufgenommen sein, ist dies aus anderen Gründen aber noch nicht. Regeln für die Zusammensetzung eines Index’ sind meist detailreicher und komplizierter als auf den ersten Blick.

Zurück zum Thema

Warum ist Finanzwissen gerade während einer Krise besonders wichtig? Da ich Anhänger des wertorientierten Investierens bin (Value Investing), werde ich die Frage vor allem aus dem Blick eines ‘Value Investors‘ beantworten …

Da ich normalerweise auf Englisch schreibe, führen die folgenden Links stets zu tiefergehenden englischen Inhalten zum Thema auf meinem Blog. Ich freue mich wenn du dich davon nicht abschrecken lässt sondern trotzdem klickst und auf meinem Blog searching4value stöberst!

Lass dich nicht vom Preis leiten!

Wenn du dich lediglich von der letzten Preisentwicklung leiten lässt und deine Kauf- und Verkaufs- Entscheidungen aufgrund des Chartbilds einer Aktie triffst, waren die Kurse und Chartverläufe im Februar/März vermutlich klare Verkaufssignale für dich. Eventuell hast du sogar bei Tiefstständen Mitte März verkauft und hast die nachfolgende Erholung verpasst. Ich hoffe, dass dem nicht so war!

Wir Value Investoren versuchen hingegen einen fairen Wert (intrinsic value) für ein Unternehmen und dessen Aktien zu ermitteln und die Aktien dann zu günstigeren Preisen mit einem Abschlag zum Fairen Wert (unsere margin of safety) zu kaufen. Für unsere Investitionsentscheidungen ist also nicht allein der Preis, sondern immer die Relation von Preis zu fairem Wert ausschlaggebend. Die entscheidende Frage ist nun natürlich wie man den fairen Wert bestimmt. Mehr zum Thema (meine) Value Investing Philosophie kannst du hier lesen)

Der faire Wert

Als Value Investor muss man also zwingend den fairen Wert eines Unternehmens bestimmen. Genauer gesagt schätzen. Und solch eine Schätzung ist natürlich mit (großer) Unsicherheit verbunden, daher kommt es mehr auf eine ungefähre Größe an. Die Margin of Safety schützt uns teilweise vor Fehlern, die wir in der Bewertung machen und dient als Puffer. Aber den fairen Wert eines Unternehmens zu schätzen ist essentiell!

Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel: Finanzunternehmen zu bewerten ist (für mich) generell eher schwierig. Daher habe ich für Progressive (ein großes US Versicherungsunternehmen) keinen expliziten fairen Wert bestimmt. Ich kam aber nach ausführlicher Analyse des Unternehmens zum Schluss, dass eine signifikante Unterbewertung vorliegt. Das reichte mir für eine erste Position.

Was ist der faire Wert? Dazu gibt es grundsätzlich kein Patentrezept oder universell gültiges Gesetz. Allerdings haben Vermögensgegenstände (Assets) einen Wert für die Eigentümer da sie Erträge (Cashflows) generieren. Ein Acker ist nur Wertvoll für den Bauern, weil er diesem Gemüse (Erträge) liefert, das er essen kann. Genau so generieren generierten Bundesanleihen früher mal Zinserträge. Aktien generieren (teilweise) Dividendenerträge für Investoren. Aufgrund dieses Dividendenstroms könnte man Aktien also bewerten. Der Wert eines Ackers begründet sich aber vielleicht nicht nur in den jährlichen Erträgen. Es könnte aber auch sein, dass die Chancen gut stehen, dass der Bauer seinen Acker (zu einem sehr hohen Preis) als Bauland verkaufen kann. Hier sieht man, dass nicht nur Erträge eine Rolle spielen.

Per DCF Bewertung zum fairen Wert ist wohl der gewöhnliche Weg. Der theoretische faire heutige Wert (present value) eines Investments ergibt sich aus der Summe der (risikoadjustierten) abgezinsten Zahlungsströme (discounted cashflows or DCF). Hier erkläre ich die DCF Bewertung im Detail. Eine Antwort der (unabhängigen?) Zentralbanken auf die weltweite Pandemie war … *Trommelwirbel* … niedrigere Zinsen. Niedrigere Zinsen sorgen dafür, dass zukünftige zahlungsströme heute mehr wert sind (mehr hier) und wirken damit generell unterstützend auf Aktienkurse.

Außerdem verbriefen Aktien ein Miteigentum an Unternehmen (und dessen Maschinen). Aktien sind in gewisser weise also Investitionen in reale Werte (anders als Anleihen) und können damit einen gewissen Inflationsschutz bieten. Momentan auch ein wichtiger Faktor!

Teilhabe an Unternehmen

Diese Sichtweise ist generell extrem wichtig aus Sicht eines Value Investors. Der wahre Wert des Unternehmens hängt nicht vom täglichen Aktienpreis ab, sondern von der fundamentalen Entwicklung des Unternehmens. Dessen Assets und der Fähigkeit damit zukünftige Gewinne (und Cashflows) zu erwirtschaften. Ein Unternehmen und dessen Chancen und Risiken zu kennen, ist extrem wichtig um auch in einer Krise einen klaren und weitgehend emotionslosen Blick auf seine Investments behalten zu können und dabei einen kühlen Kopf zu bewahren.

Ich habe zum Beispiel im März einen Kommentar geschrieben und auf eine drohende Kreditklemme (credit crunch) hingewiesen. Da ich (hoffentlich) mit dem Unternehmen Check Point gut vertraut war und wusste, dass das Unternehmen erhebliche Liquidität besitzt und das Geschäft eher unterdurchschnittlich von der Krise beeinträchtigt wird, konnte ich beruhigt sein (und Nachkäufe tätigen; alle Artikel zu Check Point findest du hier). Bei einem anderen Unternehmen aus der stark getroffenen Retail Branche, habe ich kurzerhand in meinem Modell erhebliche Umsatzeinbußen simuliert (siehe hier). Auch solch eine Betrachtung kann beruhigen. Auch hier hatte ich (im Nachhinein betrachtet sehr glücklich) nachgekauft.

Mein Fazit

Unterm’ _ finde ich es wichtig Unternehmen fundamental zu kennen und Chancen und Risiken (vor allem Unsicherheit) bewerten zu können. Oberflächliche (Unternehmens-) Analysen reichen mir persönlich nicht aus.

Ich hoffe dir hat der Artikel oder sogar mein Blog als ganzes gut gefallen. Vielleicht konnte ich dich sogar von den Vorteilen einer Value Investing Philosophie überzeugen. Ich freue mich natürlich sehr über Likes, Feedback und neue Follower. Auch Fragen und Anregungen gerne über die Kommentarfunktion (unten).

Beste Grüße, bleibt gesund und weiterhin ein erfolgreiches Investieren!

s4v

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